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UNICEF-Studie: "Glaub an dich!" Drucken E-Mail
Mittwoch, den 20. Januar 2010 um 19:04 Uhr

Unicef-Studie 2010In ihrer soeben veröffentlichten internationalen Vergleichsstudie zur "Lage der Kinder in Deutschland 2010" mit dem Titel "Kinder stärken für eine ungewisse Zukunft" weisen Prof. Dr. Hans Bertram und Dipl.-Soz. Steffen Kohl von der Humboldt Universität zu Berlin mit Besorgnis darauf hin, dass Jugendliche in Deutschland trotz objektiv guter Bedingungen ihre Zukunftsperspektiven düsterer sehen als ihre Altersgenossen in allen anderen Industrienationen.

Im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin stellten die beiden Wissenschaftler im Beisein von Bundesfamilienministerin Kristina Köhler die im Auftrag des Deutschen Komitees für UNICEF erstellte Studie vor: Darin vergleichen sie die Lage der Kinder in 21 Industrieländern anhand der sechs Dimensionen

  • materielles Wohlbefinden,
  • Gesundheit und Sicherheit,
  • Bildung und Ausbildung,
  • Beziehungen zu Familie und Gleichaltrigen,
  • Verhaltensrisiken
  • subjektives Wohlbefinden

Die zusammengefassten Textpassagen zeigen, dass die Studie eine hohe Relevanz zum Anliegen des Projekts STARKE SEITEN aufweist. Hier sind wesentliche Textpassagen der 130 Seiten umfassenden Studie:

Ziele der Studie (S.2)

"...Ziel des erneuten internationalen Vergleichs der Situation von Kindern in Deutschland mit der in anderen Industrieländern ist es zu prüfen, ob sich das Wohlergehen von Kindern verbessert hat und welche Maßnahmen am besten geeignet sind, die Rechte der Kinder zu fördern. Im Unterschied zu internationalen Untersuchungen von Einzelaspekten wie den Schulleistungen erfasst die Studie für UNICEF umfassend materielle, soziale und auch subjektive Faktoren. Hierdurch entsteht ein ganzheitliches Bild der Situation von Kindern..."

Kindliches Wohlbefinden im Zentrum (S. 9)

"...Der Unterschied zwischen dem Konzept des kindlichen Wohlbefindens und anderen internationalen Vergleichen, wie den PISA-Untersuchungen oder anderen Studien im Schulbereich, liegt vorliegend darin, dass die schulische Entwicklung und die dort vermittelten Kompetenzen nur eine von mehreren Dimensionen im Konzept des kindlichen Wohlbefindens darstellen. Das ist keine Kritik an diesen internationale Vergleichsstudien, sondern ein Hinweis darauf, dass die kindliche Lebenswelt, die kindliche Entwicklung und die Teilhabechancen der Kinder eben nicht allein vom Bildungsbereich abhängen, sondern auch davon, wie eine Gesellschaft mit den anderen Dimensionen des kindlichen Wohlbefindens umgeht..."

Jugendlicher Zukunftspessimismus
(S.21 und S.22)

"...knapp 25 Prozent der deutschen Jugendlichen in diesem Alter erwarten, nach Schulabschluss und Ausbildung Arbeiten mit niedrigen Qualifikationen auszuüben (vgl. Anhang Abbildung 3.3b). … Diese Ergebnisse sprechen dafür, dass sich Medien, Schule, Ausbildung, Eltern und Erwachsene, die sich mit Kindern und Jugendlichen in diesem Alter auseinandersetzen, die Frage gefallen lassen müssen, welches Zukunftsbild sie als Erwachsene den Kindern und Jugendlichen vermitteln, dass ein so großer Prozentsatz von Kindern und Jugendlichen so pessimistisch in die eigene Zukunft schaut.

Hier stellt sich die Frage, ob die Erwachsenen, die auch für die Entwicklung von Zukunftsvorstellungen von Kindern und Jugendlichen eine erhebliche Verantwortung tragen, sich mit dem Vorwurf auseinandersetzen müssen, diesen Kindern und Jugendlichen ein Zukunftsbild zu skizzieren, das bei den Kindern und Jugendlichen in großem Ausmaß in Selbstzweifel umgesetzt wird. Ohne zu wissen, warum diese Ergebnisse in Deutschland so drastisch ausfallen, scheint hier aus unserer Sicht auch ein erheblicher Forschungsbedarf zu bestehen, denn nicht nur die faktischen Leistungen in Mathematik, Naturwissenschaften und Deutsch entscheiden über die Zukunft und die Teilhabechancen dieser Kinder und Jugendlichen, sondern mindestens ebenso nachhaltig ihre Selbsteinschätzung..."

Abb. 3.3b: Anteil (in %) der 15-jährigen SchülerInnen, die Arbeit mit niedriger Qualifizierung erwarten: 2000 und 2006

                                                  Unesco-Statistik

Den Glauben an sich selbst vermitteln  (S.31)

"...Aus vielen Untersuchungen wissen wir aber, dass die Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen und später von den Erwachsenen weder allein von ihren kognitiven und sprachlichen Kompetenzen abhängt, noch allein von den finanziellen Startbedingungen. Vielmehr spielen hier eine Reihe weiterer Faktoren eine erhebliche Rolle, nämlich die subjektive Einschätzung der eigenen Fähigkeiten, das Gefühl dazuzugehören, die Perspektive, dass die eigene Welt offen steht, wie auch das Erleben, dass andere Menschen an einen glauben..."

Einladende Übergänge schaffen
(S.31)

"...Hier lässt sich der Schluss ziehen, dass wir uns bei den bisherigen internationalen Vergleichen insgesamt zu einseitig nur um die Leistungsfähigkeit der nachwachsenden Generation gekümmert haben, ohne uns zu fragen, ob die Zukunftsperspektiven und die Übergangsmöglichkeiten in das Erwachsenenalter so offen und einladend sind, dass die heutigen Kinder und Jugendlichen das Gefühl haben, dass diese Gesellschaft ihnen als eine Gesellschaft der Chancen auch tatsächlich offen steht..."

Leistung durch den Glauben an das eigene Können (S.58)

"...Aus der Forschung zum Leistungsmotiv ist bekannt, dass der Anspruch an die eigene Leistung und die Realisierung möglicher Leistungen nicht nur vom Talent des Einzelnen oder seinem erlernten Können abhängen, sondern mindestens ebenso und vermutlich sogar noch mehr davon bestimmt werden, wie man sich selbst in Bezug auf die Leistungsanforderungen einschätzt. Wenn man glaubt, die Anforderung nicht zu schaffen, ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass man sie auch nicht schaffen wird. Wenn man aber glaubt, es schaffen zu können, dann wird die Wahrscheinlichkeit, diese Anforderung zu bewältigen, relativ groß, selbst wenn das Können und die Fähigkeiten das zunächst nicht vermuten lassen..."

Bewährung in unsicheren Zeiten (S. 59)

"...Um Kindern die Fähigkeit zu vermitteln, sich auch in der Zukunft und in unsicheren Zeiten zu bewähren, müssen ihnen die Erwachsenen in den unterschiedlichen Kontexten gerade die Möglichkeit eröffnen, den Glauben an sich selbst und an die eigene Leistungsfähigkeit zu entfalten. Beim Vergleich der Indikatoren der deutschen Kinder mit denen aus anderen Ländern ist festzuhalten, dass die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen in Deutschland, die mit Kindern und mit Jugendlichen zu tun haben, offenkundig den jungen Menschen das Gefühl, selbst etwas leisten zu können und selbst die Zukunft gestalten zu können, nicht in gleicher Weise vermitteln, wie das offenbar in anderen Gesellschaften gelingt..."

Empfehlung an die Politik: Kinderrechte als Maßstab, Begleiter stärken (S.65)

"...Eine Politik für Kinder, die die Kinderrechte als Maßstab des eigenen politischen Handelns zugrunde legt, wird also nicht umhin kommen, diese enge Wechselbeziehung zwischen kindlicher Entwicklung und dem Wohlbefinden der Eltern zu berücksichtigen, und das gilt nicht nur für die Politik im Bereich von Kindheit und Familie. Eltern als „Caretaker“ ihrer Kinder, von denen eine demokratische Gesellschaft vor allem erwartet, dass sie ihre Kinder darin unterstützen, selbstständige und verantwortliche Bürger zu werden, brauchen dabei auch die Unterstützung der Nachbarschaft, der Gemeinde, der Institutionen und Einrichtungen des Staates für Kinder, weil das kindliche Wohlbefinden, wie bei der Diskussion der verglichenen Indikatoren deutlich wurde, nur teilweise und eher begrenzt von den Eltern zu beeinflussen ist..."

Zitate-Quelle:
Bertram, Hans u. Steffen Kohl, Zur Lage der Kinder in Deutschland 2010: Kinder stärken für
eine ungewisse Zukunft. Deutsches Komitee für UNICEF, Köln 2010

Prof. Dr. Hans Bertram, Humboldt Universität Berlin, Autor der Studie:

„Erwachsene müssen Kindern den Glauben an sich selbst vermitteln, um sie auch für eine unsichere Zukunft zu stärken. ’Du kannst es schaffen!’ – das ist die Botschaft…“

Die Studie (130 S./4,36 MB) steht hier in der vollständigen Fassung im PDF-Format zur Verfügung.

STARKE SEITEN  …weil ich was kann

Das Projekt Starke Seiten der Möhnesee-Schule , es fühlt sich eng mit UNICEF und ihrer stärkenorientierten, ganzheitlichen Sichtweise verbunden, so wie es in der UN Kinderrechtskonvention weltweit festgeschrieben ist durch die Vollversammlung der Vereinten Nationen am 20. November 1989 mit der höchsten Akzeptanz aller UN-Konventionen von 193 Staaten, darunter auch Deutschland.

  • „Bei allen Maßnahmen, die Kinder betreffen …ist das Wohl des Kindes ein Gesichtspunkt, der vorrangig zu berücksichtigen ist.“ (Artikel 3, 1)
  • „Die Bildung des Kindes muss darauf gerichtet sein, die Persönlichkeit, die Begabung und die geistigen und körperlichen Fähigkeiten des Kindes voll zur Entfaltung zu bringen.“ (Artikel 29, 1a)

Die Stärken von Kindern und Jugendlichen in den Mittelpunkt zu stellen im Starke Seiten-Projekt, in zahlreichen Verantwortungsaufgaben, in Kooperationsprojekten mit Partnern, im Wahlpflichtunterricht mit außerschulischen Fachleuten - in einer schulischen Stärken-Kultur, das ist für die Möhnesee-Schule ein besonderes Anliegen, das ist ein guter Weg in die Zukunft, zum Wohl des Kindes, zur Entfaltung seiner ganzen Persönlichkeit.

Ganz im Sinne dieser UNICEF-Studie wird den Schülern so das Gefühl vermittelt: „Du kannst was. Jeder Mensch hat ‚starke Seiten’. Sei stolz darauf. Glaub an dich, an dein Können. Du bist nicht allein. Du hast viele Möglichkeiten. Du hast eine Zukunftsperspektive!“

Schüler der Möhnesee-Schule betätigen sich seit Jahren als gute Botschafter ihres Starke Seiten-Projekts in über 50 Veranstaltungen. In der Paulskirche in Frankfurt wurden sie für die engagierte Weitergabe der Starke Seiten-Ideen als UNICEF-Botschafter vor 700 Gästen im UNICEF-Juniorbotschafter-Wettbewerb 2008 ausgezeichnet. Eine Ehrung an der Möhnesee-Schule - siehe Bild - wurde vorgenommen von Martina Meis, UNICEF-Lippstadt, die von der Vielfalt der dokumentierten Schüler-Stärken begeistert war.

                                                      Unicef Junior-Botschafter
                            Foto und Text: Heine, Soester Anzeiger vom 09.05.2008 ( www.soester-anzeiger.de )

UNICEF, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, setzt sich im Auftrag der UN-Generalversammlung weltweit für den Schutz der Kinderrechte ein. Die Grundbedürfnisse aller Kinder zu sichern, jedem Kind ein gutes Aufwachsen und eine Entwicklung zu ermöglichen, die seinen Fähigkeiten entspricht – das ist Aufgabe von UNICEF. Auch in Deutschland ist UNICEF eine wichtige Stimme für Kinderrechte – für mehr Beteiligung und gleiche Bildungschancen, gegen Kinderarmut und soziale Ausgrenzung.
 
Hier geht’s zur UNICEF-Homepage: http://www.unicef.de/deutschland2010.html